2026 ︎
Austfonna
︎Dokumentation des Gletscherabgusses für Das Archiv des Verschwindens︎Arktis






Austfonna (Arktis), 2026


Dokumentation des Gletscherabgusses für
Das Archiv des Verschwindens
2019 - laufend


Am 24. Juli 2026 habe ich den Austfonna auf einem treibenden Eisberg in der Arktis archiviert. In der Vibebukta über dem 79. Breitengrad auf Eis, das gerade erst von der Eiskappe abgebrochen war.

Der Austfonna (dt. Ostgletscher) in Spitzbergen/Svalbard ist mit 8.100 km² der flächenmäßig größte Gletscher Europas und gilt als die drittgrößte Eiskappe der Welt. Sein Volumen beträgt 1.900 km³. Das Phänomen, dass sich die Arktis derzeit etwa drei- bis viermal schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, wird als arktische Verstärkung bezeichnet. Auch Austfonna ist davon betroffen. Die Eiskappe schmilzt mittlerweile ganzjährig, vor allem infolge der Erwärmung des Meerwassers.

Warmes, atlantisches Wasser gelangt dabei immer weiter in die arktischen Regionen und erreicht die Eiskappe. Unterhalb der Wasseroberfläche beeinflusst es deren rund 180 Kilometer lange Gletscherfront, die etwa 20 bis 30 Meter hoch ist. Dadurch verliert Austfonna selbst während der stockfinsteren arktischen Wintermonate kontinuierlich an Masse – bei Lufttemperaturen von bis zu −20 °C.

Mein Austfonna-Abguss aus Alabastergips hat eine Oberfläche aus Eis berührt, die möglicherweise Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende in sich trägt. Auf diesen Moment hatte ich mich eineinhalb Jahre lang vorbereitet. Möglich wurde er jedoch erst durch die Erfahrung, das Wissen und die außergewöhnliche Unterstützung von Sarah Gerats im Rahmen meiner Arctic Circle Expeditionary Residency.

Auf dem Eisberg hat jede Minute gezählt. Jederzeit hätte er sich bewegen oder drehen können. Es gab keine vollständige Kontrolle über den Prozess. Die Arktis hat mich gelehrt, dass jedes Vorhaben dort immer auch von den Kräften der Natur abhängt. Wetter, Wind, Wellen und Tiere bestimmen mit, was möglich ist, und was nicht.

Der Abguss ist mittlerweile sicher in meinem Atelier in Wien angekommen. Dort arbeite ich an einer Austfonna-Skulptur für mein »Archiv des Verschwindens«.
Vielen Dank für die Dokumentation:
Foto Index, 1, 2, 3, 12: © Nadine Valcin
Foto 4, 5, 8, 9, 10, 13: © Claudia Rorarius
Foto 6, 11: © Richard Koscher

Mein spezieller Dank geht an den Glaziologen Thorben Dunse, der sein fundiertes Wissen über Austfonna mit mir geteilt hat.

Vielen Dank an Rhys Whitehouse, der das Zodiac sicher navigiert hat, und für die vorbereitenden Gespräche rund um den Abguss, auch an den Kapitän und die Crew der SV Rembrandt van Rijn.

Weiters an Ullrich Neumann von Kolibri Geo Services AS, der mir in Longyearbyen (Svalbard) noch wertvolle Tipps gegeben hat.


Dieses Projekt wurde durch das Arbeitsstipendien 2026 des Landes Tirol (AT) gefördert.